Sportangebote
 

Festrede


des Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstandes Hans-Hermann Roggendorfbeim Festkommers

Liebe Gäste,
der MTV Engelbostel-Schulenburg wird morgen 100 Jahre alt,
Liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden,
unser MTV wird morgen 100 Jahre alt,
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
mein MTV, dem ich seit 1986 angehöre, wird morgen 100 Jahre alt.

Jeder von uns sieht dieses Jubiläum aus einem anderen Blickwinkel, geprägt von seinen persönlichen Erfahrungen im MTV, als aktiver Sportler, als passives Mitglied oder
als Freund des Vereins.

Für Elsbeth Rieder, die seit 78 Jahren dem Verein angehört und damit unsere Dienstälteste ist, hat 100 Jahre MTV sicherlich eine ganz andere Bedeutung, als für den zweijährigen Hauke Schreiber, unserem jüngsten Mitglied, der seit Februar beim Eltern-Kind-Turnen dabei ist. Diese unterschiedlichen Blickwinkel, machen es schwierig, mit meiner Festrede allen Ansprüchen gerecht zu werden. Eine Herausforderung, der ich mich aber gerne stelle.Diejenigen, die mir nicht folgen wollen,können die Zeit durch nachdenken sinnvoll nutzen. Ich stelle Ihnen eine Frage: Wer von Ihnen würde in der heutigen Zeit den Mut aufbringen, einen Sportverein zu gründen? Keine einfache Frage. Denken Sie einmal darüber nach.

Ich spreche derweil über 100 Jahre MTV.

Was macht diesen Verein aus. Was sind seine Erfolgsfaktoren in der 100 jährigen Vereinsgeschichte? Zunächst könnte man meinen, die Erfolgsfaktoren liegen im Materiellen: Dem gepflegten Sportcentrum mit seinen 3 Fußballfeldern, 5 Tennisplätzen, 2 Petanquefeldern, 1 Beachvolleyballanlage und dem familienfreundlichen Kinderspielplatz, auf dem sich in der morgendlichen Sonne ganze Familienverbände zum Spielen und Klönen treffen, dem Kommunikationscentrum mit der Sportgaststätte,
dem Mehrzweckraum, den Geschäftsräumen, den 2 Wohnungen, den Umkleidekabinen und den sanitären Anlagen. Diese materiellen Dinge sind unerlässlich für den Erfolg des Vereins.Deren Erhalt und Pflege binden gewaltige Mittel, allein in den letzten Jahren wurde das Clubhaus um eine weitere Etage aufgestockt und mit einer energiesparenden Außenhaut versehen.
Die Kabinen, Flure, sanitären Anlagen sowie die Küche und Versorgungsraum der Sportgaststätte haben neue Fliesen erhalten.
Die Geschäftsräume und Sportgaststätte wurden renoviert. Die Küche der Sportgaststätte hat neue Schränke und Küchengeräte erhalten. Eine Verbindungstür von der Sportgaststätte zur Tennisterrasse wurde eingebaut. Die Liste lässt sich beliebig fortführen.

Der Wille zur Eigenleistung war in unserem Verein schon immer sehr ausgeprägt. Aus der Chronik erfahren wir, dass der im Jahre 1953 begonnene und 1955 eingeweihte Clubhausneubau sowie die Erstellung der Sportanlage hier am Stadtweg überwiegend in Eigenleistung erstanden sind. 1.925 Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder, das entsprach wertmäßig 1/3 der gesamten Kosten für die Sportanlagen. Auch die in den Folgejahren erforderlich gewordenen Erweiterungsbauten wie Gaststätte und Mehrzweckraum wurden weitestgehend in Eigenleistung erstellt. Eine Leistungsbereitschaft, die seines Gleichen sucht und auf die wir unendlich stolz sind. Der Erhalt der Gebäude und Sportanlagen erfordert den unermüdlichen Einsatz unserer Grünflächen- und Immobilienteams sowie die Mithilfe von vielen Vereinsmitgliedern, sehen Sie in diesem Zusammenhang die wiederum in Eigenarbeit entstandene überdachte Sitzplatztribüne, die 112 Personen Schutz vor Regen und Wind bietet oder die im letzten Jahr in Betrieb genommene VIP-Anlage mit aufgesetzter Sprecherkabine sowie das neue Kassenhäuschen. Gebäude und Sportstätten bilden das Gerüst für 100 Jahre MTV. Für mich reichen sie aber bei weitem nicht aus, um 100 Jahre MTV zu leben, zu erleben und zu gestalten.

Die entscheidenden, prägenden Erfolgsfaktoren für unseren Verein sind seine Mitglieder, Abteilungsleitungen und
Vorstandsmitglieder. Der MTV hatte 100 Jahre lang das große Glück, Mitglieder und Vorstände zu finden, die – mal mehr und mal weniger,aber letztlich doch nachhaltig – das verkörperten, was Erfolg ausmacht, nämlich: Erfolgswille, Innovationskraft, Teamfähigkeit und Führungskompetenz. Das Erfolgskonzept der vergangenen 100 Jahre waren unsere Vorväter!

Lassen Sie mich stellvertretend für all die wunderbaren Menschen, die ehrenamtlich für diesen Verein tätig waren und noch sind, die Vorsitzenden ab Gründung unseres Vereins namentlich benennen:
Von 1907 – 1935 Otto Claus. Er führte den Verein ab der Gründung 28 Jahre lang
Von 1935 – 1936 Heinrich Harendorf. Von ihm liegt leider kein Photo vor. Er war 1 Jahr Vorsitzender.
Von 1936 – 1946 Otto Claus jun. Sohn des Gründers. Er leitete den Verein 10 Jahre
Von 1946 – 1949 Richard Manthey. Er war 3 Jahre Vorsitzender.
Von 1949 – 1951 übernahm Otto Claus jr. noch einmal die Verantwortung für den MTV.
Von 1951 – 1958 war Adalbert Aselmeyer für 7 Jahre unser Vorsitzender.
1959 übernahm Günther Seidel das Ruder und war bis 1987 – also 28 Jahre – der Vorsitzende des MTV
Aufgrund seiner Verdienste wurde er im Jahre 1987 zum Ehrenvorsitzenden ernannt und im gleichen Jahr wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Dr. Dieter Schneemann hat den Verein von 1987 – 1996 verantwortlich geleitet.
Nach ihm übernahm Rudi Benak für 2 Jahre bis 1998 die Vereinsführung
1998 musste der Verein ohne Vorsitzenden auskommen.
Dabei war der MTV zu keiner Zeit Führungslos.Die verbliebenen Vorstandsmitglieder haben in vorbildlicher Weise die Aufgaben des Vorsitzenden übernommen.
Seit 1999 habe ich die große Ehre – im harmonischen Zusammenspiel mit meinen Vorstandskolleginnen und Kollegen - den MTV zu führen. Uns war es vorbehalten, den Verein in das nächste Jahrhundert zu begleiten, den 100. Geburtstag vorzubereiten und das herausragende Ereignis mit Ihnen feiern zu dürfen.

Der Erfolgswille, die Innovationskraft, die Teamfähigkeit und die Führungskompetenz der verantwortlich handelnden Vereinsmitglieder haben den MTV zu dem gemacht, was er heute ist. Der viertgrößte Verein in Langenhagen, der durch sein positives Erscheinungsbild weit über die Stadtgrenzen bekannt und anerkannt ist. In dem fast 1000 Mitglieder in 11 Abteilungen Sport treiben. Dabei haben Sie die Wahl, zwischen: Fußball, Handball, Inline-Hockey, Petanque, Schwimmen, Tanzen, Tennis, Tischtennis, Turnen/Gymnastik, Volleyball und Wandern. Die Sportarten Turnen/Gymnastik, Tennis und Fußball liegen in der Gunst der Mitglieder ganz weit vorne. Natürlich können die Mitglieder auch das Sportabzeichen erwerben. Die Kursangebote liegen im Trend und werden insbesondere von Nichtmitgliedern hervorragend angenommen.

Eine große Verantwortung sehen wir in der Betreuung von 350 Kindern und Jugendlichen und investieren zielorientiert in die Ausbildung von mittlerweile über 60 Übungsleitern und Trainern. Wir haben erkannt, dass die Zukunft des Vereins in der Jugend liegt. Unter diesem Aspekt bietet der MTV Tennis- und Tischtennis-AGs in der Grundschule an und fördert damit nicht nur den Schulsport sondern bereitet in vorbildlicher Weise den Übergang vom Schulsport in den Vereinssport vor. Darüber hinaus werden bereits Kindergartenkinder behutsam an den Sport herangeführt. Sie sind zum Schnuppern Gäste auf der Tennisanlage, oder treffen sich mit den MTV-Kindern beim Spiel- und Lauffest.

Seit 3 Jahren veranstaltet die Abteilung Fußball intern. Jugendfußballturniere. Dabei sind 48 Mannschaften aus 13 Nationen jeweils über 2 Tage Gäste des MTV. Darunter so namhafte Mannschaften, wie z.B. Inter Mailand, Ajax Amsterdam, Bröndby Kopenhagen, Sparta Prag oder Borussia Dortmund, Werder Bremen, Hannover 96 usw. Für die kleinen MTV-Kicker ist diese Veranstaltung immer wieder ein Sommermärchen unvergesslicher Art. Unvergessen ist auch die Organisation der Deutschen Inline-Hockey-Meisterschaft im Jahre 2003 in der Stadionsporthalle Hannover durch unsere damals noch junge Inline-Hockey-Abteilung. Das sind und waren organisatorische und logistische Meisterleistungen, auf die der Verein zu Recht stolz ist.

Von vielen sportlichen Höhepunkten, möchte ich drei besonders erwähnen:
1999 - MTV-Schwimmerin Daniela Immelmann wird Weltmeisterin bei den Masters.
2001 - die Inline-Hockey Schülermannschaft wird Deutscher Vizemeister und
2007, im Jubiläumsjahr, schafft die 1. Herren-Fußballmannschaft den Aufstieg in die Bezirksoberliga.

Der MTV verkörpert 100 Jahre Erfolg. Und dies ist nicht selbstverständlich. Denn viele, um die Jahrhundertwende Gegründete,
gibt es nicht mehr. Dabei meine ich nicht nur Vereine, sondern auch Unternehmen. Denken Sie nur an so renommierten Namen
wie AEG, Borgward, Krupp-Stahl, NSU, Telefunken oder viele mehr. Selbst Staaten haben sich während dieser 100 Jahre aufgelöst,allen voran die Sowjetunion und – bereits nach 40 Jahren – die DDR.

Und nun stehe ich am Scheitelpunkt meiner Rede: Vor oder weiter zurück? Für mich ist dies kein Blick nur in die Vergangenheit, kein Blick nur zurück. Für mich ist dies der Blick nach vorne, mit einem gegenüber dem 01. September 1907 entscheidenden Vorteil: Wir schauen in die Zukunft mit einem soliden Fundament aus Tradition, Erfahrung und Erfolg von 100 Jahren.

100 Jahre MTV sind für mich der Start in die Zukunft! Und dabei bin ich wieder bei meiner Eingangsfrage: Wer von uns würde heute den Mut aufbringen, einen Sportverein zu gründen? Meine Antwort dazu ist klar! Wir alle sollten den Mut dazu haben und an unseren aus der Vergangenheit bewährten Erfolgsfaktoren arbeiten: Erfolgswille, Innovationskraft, Teamfähigkeit und Führungskompetenz.

Und damit, meine Damen und Herren, liebe Sportkameradinnen und Sportkameraden,

fängt es an, schwierig zu werden: Erfolgswille heißt nämlich, dass im besten Falle ein jeder von uns – und wir sind fast 1000 – sich im MTV engagiert, aufbricht und losstürmt, um ein Ziel zu erreichen. Erfolgswille bei Sportlern heißt, sich kraftvoll, manchmal auch ungestüm zu engagieren, jeder in Richtung seines eigenen Zieles. Unsere Ziele können vielfältig sein. Maßstäbe sind aus der Vergangenheit gesetzt: Durch Integration von neuen Sportarten wollen wir das sportliche Angebot verbessern. Damit der Verein am positiven Trend des vereinsungebundenen Gesundheitssports weiterhin partizipiert, sollen die Kursangebote erweitert werden. Zur Wertverbesserung unseres Sportcentrums soll der Bau einer Stehplatztribüne und die Erweiterung unserer Beachvolleyballanlage beitragen. Die Maßnahmen sind erforderlich, damit Fußballfreundschaftsspiele gegen Bundesligamannschaften keine Utopie mehr ist und unsere Volleyballer bessere Trainingsbedingungen bekommen und endlich Turniere ausrichten können.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl wollen wir durch abteilungsübergreifende Veranstaltungen fördern und denken dabei an Zusatzangeboten im Jugendbereich, wie z.B. Zeltlager, Nachtwanderungen, Spielfeste usw.

Ein weiteres Ziel ist, die Finanzkraft des Vereins durch Gewinnung von neuen Mitgliedern, Sponsoren und Werbepartnern zu verbessern. Eine besondere Aufgabe muss es sein, die Jugendförderung zu intensivieren. Nahziele sind, die Funktionen Jugendleiterin und Jugendleiter zu besetzen. Dabei gilt es, Jugendliche zu finden, die diese schönen Aufgaben übernehmen wollen. Und wir wollen, der sich gerade positiv entwickelnden Handballjugend durch Bereitstellung von qualifizierten Trainern und notwendigen Hallenstunden eine Zukunft schaffen. Fehlende Hallenkapazitäten bremsen unser Wachstum. Bestehende Hallenbezogene Sportarten können sich nicht weiter entwickeln und neue nicht angeboten werden. Deshalb ist für uns ein wichtiges Ziel, die fehlende wettkampfgerechte Sporthalle für Engelbostel und Schulenburg zu bekommen, um dem Anspruch unserer Mitglieder heute und in der Zukunft gerecht werden zu können.

Weitere Ziele gilt es zu definieren. Dem Anspruch des MTV entsprechend, liegt der Maßstab hoch. Der Wille, solche Ziele zu erreichen, der Wille, Erfolg zu haben, ist die zentrale Triebfeder für unseren Verein. Ohne Mitglieder und Vorstände, die diesen inneren Antrieb verspüren und umsetzen, geht es im Verein nicht voran.

Und damit bin ich beim zweiten Erfolgsfaktor: der Veränderungsbereitschaft oder der Innovationskraft.

Ziele, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, sportliche, solche der Vereinskultur, zur Gestaltung des Sport- und Kommunikationscentrums und zur Ausrichtung des Vereins, sind in jedem Falle die Grundlagen für das weitere Fortkommen des MTV. Oft reichen die Ziele der Vergangenheit aber nicht aus, um die Zukunft zu sichern; Veränderungsbereitschaft und Innovationskraft sind deshalb gefragt. Veränderungsbereitschaft heißt abstrakt formuliert, sich kontinuierlich selbst in Frage zu stellen. Und zwar positiv: mit dem Grundtenor: alles ist möglich!  Nicht aber negativ: alles wird schwieriger: die Leute haben kein Geld mehr. Kinder spielen im Internet, statt auf dem Sportplatz oder Golf ist in, Tennis ist out.

Die für mich positivsten Beispiele einer Veränderungsbereitschaft. Waren die Entscheidungen im Jahr 1922 den Männerturnverein durch Frauen und Mädchen zu erweitern. Damit wurden schon früh die Weichen für ein breiteres Wachstum gestellt. Ob die Beibehaltung des Begriffs „Männerturnverein“ trotz Frauen und Mädchen-Beteiligung eine Konzession an die Kritiker war, hat uns der Chronist nicht hinterlassen. Im Jahr 1969 die Aufnahme des Ortsteilnamen Schulenburg in den Vereinsnamen. Dadurch vergrößerte der Verein sein Mitgliedereinzugsgebiet erheblich und vermittelte den Nachbarn aus Schulenburg, dass der MTV auch ihr Verein ist. Sowie im Jahr 1999, durch die Ideelle und finanzielle Beteiligung an der Hallenfreibad Godshorn GmbH. Diese Beteiligung und die Übernahme der Geschäftsführung durch die Schwimmsport betreibenden Vereine hat das damals drohende Schließungsgespenst vertrieben und unserer Schwimmsportabteilung die Trainingsmöglichkeiten in alter Umgebung erhalten. Wir können uns vorstellen, dass diese Entscheidungen nicht ohne kontroverse Diskussionen gefallen sind. Aber genau dieses zeichnet Innovation, Veränderung, aus: Sie muss erkämpft werden und kommt nicht von alleine.

Mit Blick auf die Zukunft, stellt sich für mich die Frage, welche innovativen Entscheidungen in den kommenden Jahren zu treffen sein werden? Auslöser für Innovationen ergeben sich in der Regel aus dem Umfeld des Vereins. Leichter fällt das Verändern, wenn die Mitglieder und der Vorstand die Zeichen der Zeit rechtzeitig und selbst erkennen. Schwieriger wird es, wenn externe Faktoren bereits so stark geworden sind, dass aus einem geregelten Agieren ein getriebenes Reagieren wird.

Viele Beispiele für Veränderungen im Umfeld des Vereins lassen sich schon heute erkennen und werden vom Vorstand gesehen: Sei es die Kassenlage des Staates, die die finanzielle Sport- und Jugendförderung immer geringer ausfallen lässt
und damit den Verein zwingt, neue Geldquellen zu erschließen. Alternative Konzepte zur Finanzierung des Vereins
sind daher zu entwickeln. Spender und Sponsoren, Unternehmen, der Staat und natürlich die Mitglieder werden künftig die Last der Finanzen verstärkt gemeinsam tragen müssen. Spannend wird es sein, ob es durch externe Gelder gelingt,
die Mitgliedsbeiträge in einem finanzierbaren Rahmen zu halten ohne dass die Geldgeber in die Identität des Vereins eingreifen wollen. Statt Fußball-Bundesliga „Telekom-Liga“ ist ein Schlagwort und „AWD-Arena“ dabei ein weiteres. Natürlich muss die Gegenleistung stets stimmen.

Für die Mitglieder des MTV muss der Verein attraktiv sein. Gerade in einer immer schnelleren, anonymeren und kommerziellen Welt sehe ich sehr gute Chancen für den MTV mit seiner Kombination aus Sport und gesellschaftlichen Veranstaltungen in einer intakten Gemeinschaft. Ich meine, dass diese Kombination als bewusster Gegensatz zu weiten Bereichen eines anonymen und kommerziellen gesellschaftlichen Lebens und als Ergänzung – manchmal auch als teilweiser Ersatz – der Familie, große Bedeutung erlangen wird. Diese Stärke des Vereins herauszustellen, um Mitglieder zu gewinnen, wird uns in der Zukunft fordern. Man muss sich überlegen, wie man in einer schnellen und kommerziellen Welt seine Mitglieder erreichen will. Der Auftritt des MTV im Internet ist selbstverständlich, aber auch E-Mails an Mitglieder zu Themen des Vereins, zu sportlichen Veranstaltungen oder Angeboten der Ökonomie gehören für mich dazu.

Vielleicht können unsere Mitglieder schon bald über eine Webkamera auf der Homepage des MTV die Bespielbarkeit der Tennisplätze beurteilen und aus der Ferne entscheiden, ob sie sich auf den Weg machen können oder zuhause bleiben müssen. Vorstellbar sind auch Liveübertragungen von Sportveranstaltungen. Ganz generell meine ich, dass wir im MTV bei Innovationen von Unternehmen lernen können. Dort entwickeln kleinere Teams Zukunftsideen. Praktiker erfinden das Unternehmen zumindest in Teilen neu. Früher hieß dies Vorschlagswesen, heute Innovationsoffensive oder Ideenwelt.
Treiber von Innovationen sind – fast naturgemäß – die jüngeren Menschen und häufig auch neue Mitglieder des Vereins, die von außen kommend, noch ungetrübt auf die Dinge schauen. Sie sind die idealen Innovationsberater. Gelingt es, dieses „frische“ Know How mit den Erfahrungen der „Alten“ zu verbinden, so steht positiven Veränderungen kaum etwas im Wege.

Könnte man den 100. Geburtstag des MTV nicht zum Anlass nehmen, eine MTV-Ideenwelt zu gründen?

Ein Team von Vereinsmitgliedern – Jungen und Alten, aktiven und passiven, neuen und langjährigen, aber andere, als diejenigen, die sonst immer dabei sind – sammelt Ideen, entwickelt Strategien und schlägt sie dem Vorstand und den Mitgliedern als „Idee“ vor. Dazu kann auch eine Umfrage unter den Mitgliedern zu den Leistungen des MTV als erster Schritt beitragen:

Was wollen wir in den nächsten Jahren erreichen? Wie wird sich unser Umfeld verändern? Wie wird sich der MTV entwickeln?
Wie sieht der Verein der Zukunft aus? All diese Fragen können von einem Team der MTV-Ideenwelt angegangen werden; Innovationskraft könnte sich entfalten.

Dabei bin ich bei dem 3. Erfolgsfaktor, der Teamfähigkeit.

Erfolge im Mannschaftssport erlangt man nur durch Teamgeist und Teamfähigkeit. Das beste Beispiel dafür ist der Erfolg unserer 1. Herren-Fußballmannschaft, die es innerhalb von wenigen Jahren geschafft hat, von der Kreisliga über die Bezirksklasse, Bezirksliga in die Bezirksoberliga aufzusteigen. Es gibt keine Stars in der Mannschaft, die Mannschaft ist der Star. Die Basis des Erfolges liegt im Teamgeist und in der Teamfähigkeit von Spielern, Trainern und Betreuern.

Aber auch im Vorstand gibt es diese positiven Merkmale. Es haben sich Menschen zusammengefunden, die an einem Strang ziehen und den MTV auf Kurs halten. Erfolgswille und Innovationskraft wirken nur im Team bei Teamfähigkeit. Die Einzelnen müssen zurückstecken können und sich als Beitrag zum Ganzen empfinden. Dies ist – wie meine Erfahrung im Verein lehrt – leichter gesagt als getan. Denn im MTV sind Erfolgswille und Innovationskraft gleich fast 1000mal nachhaltig vertreten! Wir können deswegen stolz darauf sein, dass es dem MTV nunmehr 100 Jahre lang gelungen ist, die Antriebe Erfolgswille und Innovationskraft mit dem einerseits ausgleichenden, aber letztlich erst die Gesamtkraft entwickelnden Faktor Teamfähigkeit zu verbinden. Hierin liegt die Kunst, sowohl im Mannschaftssport als auch im ganzen Verein.

Anschließend möchte ich auf den vierten Erfolgsfaktor eingehen: Die Führungskompetenz

Erfolgswille, Innovationskraft und Teamfähigkeit können nur wirken, wenn klar und fair geführt wird. Der Vorstand hat das Kommando! Aber nicht nur das Kommando, sondern auch die Verantwortung. Die Verantwortung für den Verein. Und diese ist im Übrigen nicht ohne. Denn es handelt sich beim MTV um ein kleines, mittelständisches Unternehmen mit allen Geschäftsbereichen. Der MTV ist nicht nur Sportverein, sondern auch Geschäftspartner, juristische Person, Gläubiger und Schuldner von Geld – viel Geld. Ist Verwalter eines großen Anwesens, dessen Sicherheit und Erhalt zu garantieren sind. Der Verein beschäftigt Mitarbeiter im Sportbetrieb, in den Sportanlagen und in der Immobilie. Die Verantwortung des Vorstandes für Entscheidungen ist deswegen erheblich. In einem Unternehmen ist Führung immer dann erfolgreich, wenn ein Verantwortlicher nachvollziehbar handelt, fair agiert und klar kommuniziert. Nichts anderes gilt in den Mannschaften und im Verein.

Mit einer klaren und fairen Führung schließt sich der Kreis der Erfolgsfaktoren des MTV: 1000-facher Erfolgswille, innovativste Ideen, im Team zur Bestform entwickelt, müssen durch den Vorstand zu tragbaren Beschlüssen und Maßnahmen geformt werden. Nur dann bewegt sich der Verein nachhaltig und Erfolgversprechend in eine Richtung, in Richtung Zukunft. Dazu trägt die Kommunikation der Vereinsziele in den Vereinsnachrichten, die ausgiebige Diskussion aller Ideen und Vorschläge in den Mitgliederversammlungen und in den Arbeitskreisen maßgeblich bei. Je breiter die Akzeptanz für die Ziele und Maßnahmen des Vereins ausfällt, desto sicherer bewegt sich der Verein in Richtung Zukunft. Zweifel an der Sinnhaftigkeit von Zielen und Maßnahmen bei einer nennenswerten Zahl von Mitgliedern, gefährden das Fortkommen, weil man diese Mitglieder als Treiber verliert, im schlimmsten Falle sogar als Mitglieder. Deswegen sehe ich in der Vereinskommunikation – in den Vereinsnachrichten, in Versammlungen oder im Gespräch an der Theke nach dem Sport – einen der Hauptansatzpunkte für die Vereinsführung. Spaß macht die Kommunikation dann am meisten, wenn alle Beteiligten bereit sind, Konflikte einzugehen und fair zu lösen: das heißt, bereit sind, dem anderen zuzuhören und – falls er eine andere Meinung hat – diese zu akzeptieren
und nicht kopfschüttelnd davon zu laufen.

Auch hier gilt: leichter gesagt, als getan. Dies führt mich zu einem weiteren und letzten Punkt: In jedem Verein gibt es Gruppen mit unterschiedlichen Interessen. Sie prägen wie alle Mitglieder den Verein. Gut wäre es aus meiner Sicht, wenn der Austausch von Gruppe zu Gruppe, Abteilung zu Abteilung, noch intensiver wäre. Wenn insbesondere den neuen Mitgliedern und den aus dem Jugendbereich in den Erwachsenenbereich Wechselnden die Aufnahme in die fest etablierten Kreise aktiv angetragen würde. Denn die Neuen und die Jungen im MTV bilden die Grundlage für die Zukunft. Und wer geht auf wen zu? Im Zweifel immer derjenige, der schon länger dabei ist. Es wird immer wieder eine Führungsaufgabe des Vorstandes sein, hier zu vermitteln und gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren. Dabei sind wir bereits auf gutem Wege, denken Sie an die im festen Rhythmus stattfindenden abteilungsübergreifenden Veranstaltungen, wie Sommerfest, Dankeschön-Frühschoppen, Preisskat, Weihnachtsmarkt, Osterfeuer und Ball des Sports im Zusammenspiel mit dem SSV Schulenburg.

Auch das heutige Jubiläumsfest ist so eine – zugegeben, ganz besondere – Veranstaltung. Das in diesem Zelt heute gedrängte Fülle herrscht, ist zwar ein wenig ungemütlich, aber andererseits das Beste, was unserem Verein heute passieren konnte.

Meine Damen und Herren, Erfolgswille, Innovationskraft, Teamfähigkeit und Führungskompetenz sind für mich die Erfolgsfaktoren für 100 Jahre MTV, und zwar gleichsam für die ersten hundert Jahre von 1907 bis heute, wie auch für die kommenden hundert Jahre. Es liegt an uns, aus 1000-fachem Erfolgswillen und ebensolcher Innovationskraft durch Teamfähigkeit und Führungskompetenz weitere 100 Jahre MTV zu gestalten. Dies wird nicht immer einfach sein. Deshalb ist es von größter Bedeutung, dass jeder von uns meine Eingangsfrage, ob er den Mut aufbringen würde, heute einen Sportverein zu gründen, mit einem klaren JA beantwortet. Dies bedeutet, sich im MTV zu engagieren und Zukunftsideen zu entwickeln. Dies heißt aber auch, nicht immer mit seinen Vorstellungen durchdringen zu können und die Entscheidung der Mitglieder und des Vorstandes zu akzeptieren.

Meine Damen und Herren, ich wünsche mir, das am 01.09.2107 ein MTVer oder eine MTVerin hier stehen wird, und rufen kann: 200 Jahre MTV sind eine starke Basis für die nächsten 100 Jahre! Wir, die wir heute hier sind, haben die Chance und Pflicht, dafür zu sorgen, dass meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin die Rede zum 200. Geburtstag des MTV leicht fällt.
Es liegt an uns!

Lassen Sie mich schließen mit einem Zitat eines großen Hannoveraners, Leibniz:

„Die Ruhe ist eine Stufe zur Dummheit, man muss stets etwas finden, was es zu tun, zu denken, zu entwerfen gilt,
wofür man sich interessiert, sei es für die Öffentlichkeit oder den Einzelnen.“

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.